Rüdiger 101

Aus nicht mehr ganz aktuellem Anlass und da ich hier sowieso schon über meine Probleme und Eigenheiten schreibe, geht es damit weiter. Ich war noch nie ein großer Freund von Körperkontakt, schon gar nicht mit Fremden. Einer der Punkte die ich an Japan toll finde, da kommt niemand auf die Idee nur weil sie die Freundin eines meiner Freunde ist mich beim ersten Treffen gleich zu umarmen. Außerdem sind Verbeugungen besser als Hände schütteln und wenn sich beim Austauschen von Visitenkarten die Finger berühren habt ihrs falsch gemacht. Daher bin ich in der Regel sogar froh wenn Leute krank sind, dann halten sie sich von sich aus schon aus meiner Wohlfühlzone raus. Das ist im letzten Jahr nicht unbedingt besser geworden, aber jahrelanges Training hat dafür gesorgt, dass es in der Regel nicht auffällt. Alle die mich schon seit ein paar Jahren kennen, sollten mal überlegen wann ich sie das letzte Mal auf welche Art auch immer angefasst habe. Fällt euch was auf? Eben, es fällt nicht auf. Wenn ihr jetzt aber bei meinen Eltern im Haus direkt hinter der Esszimmertür auf mich lauert, dann funktionieren meine Vermeidungsstrategien nicht mehr so gut und ich habe die tolle Wahl zwischen Körperkontakt und unhöflich sein. Das ist nicht nett von euch mich in so eine Situation zu bringen. Daher der Tipp des Tages, nie direkt hinter einer Tür auf mich warten sondern ein paar Meter zwischen euch und der Tür lassen.

New Years Resolution

Ja, ich lebe noch und werde ab jetzt auch wieder unregelmäßig Artikel schreiben und das ist nicht der einzige Vorsatz für das nicht mehr ganz so neue Jahr.
Bild

Falls ihr es noch nicht mitbekommen habt: Depressionen sind scheiße!

Es gab ja schon mal eine Zeit, in der ich nichts geschrieben habe. Danach wurde meistens Nachts geblogt wenn ich nicht schlafen konnte. Das Problem mit dem Schlafen habe ich mittlerweile mit Anti-Depressiva in den Griff bekommen und dank den „Nebenwirkungen“ auch noch meine Gewichtsprobleme gleich mit und auch so noch ein paar Probleme. Seit dem habe ich den Blog aber weitgehend gemieden, weil er mir einfach unangenehm war. Genauso wie ich einige Leute gemieden habe, das aber eher aufgrund der genialen Idee nicht „verlassen“ zu werden, wenn ich den Kontakt selbst beende. Das tut mir mittlerweile Leid und ich möchte mich dafür entschuldigen.

So, das wars fürs Erste.

Eins noch: Der Erste der sich jetzt bei mir mit irgendeinem Verständnis- oder Mitleids-Kack meldet, dem kack ich persönlich vor die Tür. Davon hab ich echt genug.

Sommerferien und Kraniche

Es gibt ja mehrere Japan betreffende Themen zu denen ich immer mal wieder befragt werde und zu denen ich eigentlich nichts schreiben möchte. Dazu zählen der 6. und 9. August 1945.

Kranich

Kranich

Diesen Kranich hat mir eine nette ältere Dame im Friedensmuseum in Hiroshima geschenkt. Wenn man 1000 Kraniche faltet, dann bekommt man einen Wunsch erfüllt. Im August sind aber auch noch Sommerferien und damit sich die Kinder während der schulfreien Zeit nicht langweilen, gibt es bei meinen Eltern ein von der Stadt organisiertes Sommerferienprogramm bei dem man zum Beispiel einen Tag zur Feuerwehr kann oder bei meiner Mutter Origami machen. Meine Mutter macht das schon eine halbe Ewigkeit und will nicht immer die gleichen Sachen falten. Einfach irgendwas neues aussuchen und ins Programm nehmen geht natürlich auch nicht. Die Teilnehmer sind zwischen 8 und 12 Jahre alt, es darf also nicht zu schwer sein. Da komm ich ins Spiel. Ich bin bekanntermaßen ungeschickt und was das falten von Papier angeht talentfrei. Wenn  ich es schaffe etwas zu falten, dann sollten die Kinder es auch hin bekommen.

Bekleidung

Bekleidung

Die Krawatte hat es ins Programm geschafft. Das Hemd nicht, da man dafür kein quadratisches Papier nimmt, und man das Origami-Papier erst zerschneiden müsste. Ein Geldschein hat aber die passende Form und ist ein praktisches Last-Minute Geschenk für vergessliche. Das dritte ist ein Samurai-Helm, der hat im Gegensatz zum Wikinger-Helm tatsächlich „Hörner“ da ein Samurai im Kampf viel zu höflich wäre um seinen Gegner am Helm zu packen und zu Boden zu reißen.

Möbel

Möbel

Der Tisch war zu kompliziert und die Box wird durch eine einfachere ersetzt. Ich bin also doch geschickter als zwölfjährige Deutsche. Der direkte Vergleich mit kleinen Japanern hat dann gezeigt, dass ich besser als eine 5-jährige und eine Kleinigkeit ungeschickter als eine 8-jährige bin, also auf japanischem Grundschulniveau. Jetzt müssten nur noch meine Kanji-Kenntnisse auf ähnlichem Niveau liegen…

Emerald Twilight

This was almost certainly his last time to come to the plate in Fenway Park, and instead of merely cheering, as we had at his three previous appearances, we stood, all of us — stood and applauded. Have you ever heard applause in a ballpark? Just applause — no calling, no whistling, just an ocean of handclaps, minute after minute, burst after burst, crowding and running together in continuous succession like the pushes of surf at the edge of the sand. It was a sombre and considered tumult.

(John Updike)

Soweit ist es schon gekommen, ich zitiere John Updike. Zugegeben, das habe ich von David Schoenfield, es passt aber irgendwie. Was ist passiert? Das Undenkbare. Nach 11+ Jahren haben die Seattle Mariners Ichiro zu den New York Yankees getradet und irgendwie macht der Trade sogar Sinn. Ich bin selber verwirrt. Ichiro ist 38, offensiv mehr als auf dem absteigenden Ast, die Mariners gerade/mal wieder/immer noch mitten im Umbruch und in New York fällt Gardner wohl länger aus. Die Yankees haben genug Power in der Offense, Ichiro ist in ihrem Lineup der Nummer 8 Hitter und dafür reicht es noch aus. Als Baserunner ist er immer noch Top, er ist mit seinen 16 Steals der Yankee mit den meisten und Defensiv ist er wenn man den ganzen Sabremetrics Stats wie Defensiv Runs Saved glaubt unter den Top 5 der Liga. Den Mariners erspart er damit, entscheiden zu müssen, ob man ihm aus Loyalität noch einen neuen hoch dotierten Vertrag anbietet und damit ein ähnliches Fiasko wie bei Junior riskiert oder ihm, um den Umbruch voran zu bringen keinen neuen Vertrag anbietet. Der Trade nützt also tatsächlich beiden Teams und Ichiro bekommt noch eine Chance einen World Series Ring zu gewinnen, etwas dass Junior leider nie geschafft hat. Jetzt habe ich doch tatsächlich einen Grund den Yankees Erfolg in den Playoffs zu wünschen. Damit das ganze jetzt nicht noch peinlich wird, ein Abschiedslied vom Death Cab for Cutie Sänger Ben Gibbard.

Der dritte Zwilling

Nachdem ich bereits verschiedene Kitkat mit dunkler Schokolade erfolgreich verglichen habe, jetzt das ganze mit Cup Noodles von Nissin. Cup Noodle und Soup Noodle in der Standardversion mit Schweinefleisch und Garnelen aus Japan und Cup Noodles mit Huhn aus Deutschland. Schon der Name ist anders, in Deutschland hat man den Nudeln noch ein Plural-s spendiert. Die Zubereitung ist in allen Fällen gleich, Deckel halb abziehen, heißes Wasser bis zur Markierung einfüllen, Deckel wieder schließen, 3 Minuten warten, umrühren, Essen fertig.

Cup/Soup Noodle(s)

Cup/Soup Noodle(s)

Die Packung ist dann wieder aus einem anderen Material und da liegt ganz eindeutig die japanische Version vorne. Während man die mit heißem Wasser gefüllte japanische Version überall gefahrlos anfassen kann, geht das bei der deutschen nur am geriffelten oberen Ende, der Rest wird ganz schön heiß. Vom Gewicht landet Deutschland im Mittelfeld. Eine Portion enthält 63g. Cup Noodle enthält stolze 77g und Soup Noodle magere 59g, das ist soweit ich es sehe auch der einzige Unterschied der beiden Japaner. Bei den Nudeln habe ich keinen Unterschied feststellen können. Die Nudeln werden aus Weizenmehl, Salz und Wasser hergestellt und dazu wird man in Europa wohl kaum andere Maschinen oder Techniken einsetzten. Wie sinnvoll es ist geschmacklich eine Hühnerbrühe mit Shoyu Ramen zu vergleichen kann jeder für sich selbst entscheiden, ich finde, dass die japanischen Nudeln besser schmecken.

So langsam verkommt das ganze hier wirklich zu einem (japanischen) Food-Blog… tststs

Was ich noch vergessen hab, ich habe die „deutschen“ Nudeln versucht, wie auf der Packung abgebildet mit einer Gabel zu essen. Mein Fazit, die Art Nudeln lassen sich mit Stäbchen eindeutig einfacher aus einem Becher essen.

Japan Rail Pass

Eine Frage die sich wohl fast alle die mit einem Touristenvisum nach Japan reisen, stellen ist die, ob sich der Japan Rail Pass lohnt oder nicht. Vor allem da der Spaß nicht gerade billig ist. Los gehts für Erwachsene mit dem 2. Klasse Rail Pass für eine Woche für 28300¥, also ~280€. Pauschal beantworten lässt sich die Frage aber nicht. Kommt halt darauf an, womit, wohin und in welcher Zeit man reisen möchte. Bei mir waren es in einer Woche 2012,7km auf JR-Linien bei 16 Stunden Fahrzeit die mich inklusive Sitzplatzreservierungen ohne Rail Pass 57620¥ gekostet hätten. Ein Teil meiner Reise war, dass ich in Tokyo war und am nächsten Tag zum Mittagessen also zwischen 12 und 14Uhr in Himeji sein wollte.
Die Optionen waren:
Nozomi 15.710¥ 189min (darf man mit dem Rail Pass nicht nehmen)
Hikari 15.210¥ 220min (geht mit dem Rail Pass)
Ohne Shinkansen 9560¥ 636min
Nachtbus+Bahn 5450¥ 606min
(Nach Flugzeugen und Fähren hab ich jetzt nicht geschaut)

Mit der Bahn aber ohne Shinkansen kann man das Mittagessen in Himeji vergessen. Mit dem Nachtbus klappts, der fährt Spätabends in Tokyo ab, man spart sich eine Übernachtung und ist problemlos rechtzeitig in Himeji. Nur wäre dann der Tag für mich komplett im Eimer. Wenn ich es denn mal schaffe in einem Bus die Augen für mehr als 5 Minuten zu schließen, ist es trotzdem nicht erholsam. Wäre für mich nur eine Option wenn ich am ersten Tag in Himeji kein Programm hätte. Hatte ich aber und ich wollte abends auch schon wieder in Kyoto sein. Bei einer längeren Reise, mit weniger dichtem Programm oder für alle die in Bussen schlafen können sicher eine Überlegung wert, so aber nicht. Die 30 Minuten die der Nozomi schneller ist, reißen es auch nicht heraus, also Rail Pass kaufen, Hikari fahren.
Wenn es klar ist, dass man für die Reise nicht auf Nachtbusse (z.B. von Willer) zurückgreifen möchte, sondern auf die Bahn, dann kann man, sobald die Route steht einfach bei Hyperdia die Fahrtkosten selber ausrechnen. Dran denken, dass ihr mit dem Pass Nozomi und Mizuho nicht nehmen dürft und es neben JR auch noch andere Bahngesellschaften gibt die man mit dem Rail Pass nicht nehmen darf. Wenn die Kosten über denen eines Rail Pass liegen, dann ist die Sache klar. Und auch wenn man knapp darunter liegt, würde ich den Rail Pass aufgrund des mehr an Komfort dennoch nehmen. Man muss sich nicht für jede Strecke ein Ticket kaufen sondern kann einfach mit dem Pass in der Hand am Bahnmann vorbei laufen. Leute die gerne auf Nummer sicher gehen, können sich mit dem Rail Pass auch für alle Züge bei denen es möglich ist umsonst einen Sitzplatz reservieren.

Japan Rail Pass

Japan Rail Pass

In der Regel bekommen Nicht-Japaner die Reservierung auf Englisch, falls nicht, dann ist es auch nicht weiter schlimm. Von wo nach wo man fahren möchte, sollte man selber wissen, den Rest versteht man auch ohne japanisch lesen zu können. Datum, Abfahrts- und Ankunftszeit sind klar. Links steht dann noch der Zugname, da reicht es aber wenn die Nummer mit der auf der Anzeigetafel übereinstimmt. Und der Sitzplatz ist von groß nach klein angegeben, Wagennummer, Reihe und der Buchstabe für den Platz in der Reihe. Was beim reservieren noch passieren kann, seht ihr auf dem Ticket links oben. Der Bahnmann tippt mit seinem magischen roten Bleistift circa 98mal auf das Ticket und redet dabei wie ein Wasserfall. Dieses Programm ist leider nicht abbrechbar, einfach freundlich lächeln, nicken und warten bis es aufhört. Er erzählt euch nur haargenau was ihr gerade erworben habt, einen Sitzplatz im TollerZug 123 am 30.02 von A nach B, Abfahrt um…
Manchmal versuchen sie einem das ganze auch auf englisch zu erklären. Auch da gilt lächeln und nicken auch wenn ihr nichts versteht. Die hören erst auf wenn sie den Eindruck haben ihr hätten die Erklärung verstanden. Im Zweifel holen sie noch ihren Vorgensetzen dazu und dann reden zwei Leute auf euch ein. Ihr habt ein Bahnticket/Sitzplatzreservierung erworben und kein Rezept für einen komplizierten Zaubertrank, da wisst ihr auch ohne Erklärung für was das gut ist.
Und immer eine Büroklammer dabei haben, dann hat man die Reservierung und den Rail Pass immer bequem beisammen.

Nachtrag: Der Rail Pass kostet egal wo man ihn kauft immer gleich. Der Preis wird in Yen festgesetzt und dann beim Kauf des Gutscheins anhand des aktuellen Wechselkurses in der jeweiligen Landeswährung berechnet. Wir haben in letzter Zeit unsere Rail Pässe bei JALPAK geordert und immer gute Erfahrungen gemacht. Und wie bereits erwähnt, ihr erwerbt einen Gutschein, den müsst ihr dann in Japan eintauschen.

!!! CUPNOODLES MUSEUM

Erst einmal Entschuldigung fürs anbrüllen, das Logo des Museum besteht aber nun mal aus drei Ausrufezeichen!!!

!!! CUPNOODLES MUSEUM

!!! CUPNOODLES MUSEUM

Cupnoodles kennt jeder und kann man kann sie auch in Deutschland kaufen. Auch die der Firma Nissin, blöderweise in Deutschland mal wieder nur an den deutschen Geschmack angepasste Versionen. Die japanischen sind aber auch nicht besser, die Standardversion enthält Schweinefleisch und Garnelen

Vorher

Vorher

Ich mag keine Garnelen, deswegen picke ich die vor der Zubereitung immer raus. Da die Zutaten alle auf den Nudeln liegen geht das zum Glück recht problemlos. Nach dem Kochen wäre es deutlich aufwändiger.

Nachher

Nachher

Auf die Dauer nervt es dennoch. Eine Lösung musste her. Ich musste meine eigenen Cupnoodles ohne Garnelen produzieren. Wo kann man das machen? Im Cupnoodles Museum in Yokohama. Dort widmet man sich nämlich nicht nur der Geschichte der Instant-Nudelgerichte und ihrem Erfinder Momofuku Ando, sondern es besteht auch die Möglichkeit seinen eigenen Becher zu kreieren. Man kauft sich einen leeren Becher, bemalt ihn wie man gerade lustig ist

Malen und Schlange stehen

Malen und Schlange stehen

befüllt den Becher dann mit Nudeln

Nudeln

Nudeln

Und wählt dann noch eine von 4 Geschmacksrichtungen und 4 von 12 Zutaten aus

Zutaten

Zutaten

Deckel drauf, einschweißen und fertig sind die eigenen Nudeln

Fertig

Fertig

Für den besseren Transport noch ordentlich mit Luft polstern und dann kann man sie nachhause nehmen.

Gruppenfoto

Gruppenfoto

Da My Cupnoodles Factory recht beliebt ist, sollte man rechtzeitig dort sein. Um 15:00 gab es nur noch wenige Plätze für 17:30. Wer wirklich alles selber machen möchte, also auch die Nudeln, für den gibt es die Chicken Ramen Factory, für die sollte man sich aber im Voraus schon Plätze reservieren.
Ein ausführliches Video über das Cupnoodles Museum und My Cupnoodles Factory (nicht von mir) findet ihr hier.
Das Museum selbst hier.

Schloss Linderhof

Ist euch schon einmal aufgefallen, dass eine faul herumliegende Katze in Japan oder allgemein im Urlaub ganz schön interessant sein kann? In Deutschland wird die Katze gekonnt ignoriert, in Japan halte ich aber an, spiele mit ihr und mache dann auch noch Fotos davon. Warum? Weil im Urlaub alles besser, toller, bunter ist als daheim.
Wenn wir mal wieder Besuch aus Japan haben, bin ich zwar meistens in Ulm und Umgebung mit dabei, beim Rest des Programms halte ich mich aber vornehm zurück. Man hat das alles ja schließlich irgendwann schon mal gesehen und kann man sich alles auch jederzeit problemlos selber anschauen. Tut man nicht, aber man könnte. So habe ich ehrlich gesagt keine Ahnung wann ich das letzte mal auf der Burg Hohenzollern war und dabei ist die Burg wirklich beeindruckend und einen Besuch wert. Etwas weiter weg aber auch lohnend ist Schloss Linderhof, neben Neuschwanstein und Herrenchiemsee eines der drei von Ludwig II gebauten Schlösser und das einzige, dessen Fertigstellung er noch erlebt hat und es daher auch selbst bewohnt hat.

Linderhof von Vorne

Linderhof von Vorne


Der schnellste Weg von meinen Eltern aus zum Linderhof ist die Route entlang am Plansee. Warum ich das erwähne? Zum einen Weil es ein schöner See ist
Plansee

Plansee


und zum anderen weil er in Österreich liegt. Bei meinem letzten Besuch gab es noch Grenzkontrollen. Von Deutschland nach Österreich und 30km weiter zurück über die Grenze nach Deutschland, auf dem Rückweg das ganze nochmal. Schon eine Weile her, dass ich dort war. Ohne Grenzkontrollen ist die Reise wesentlich angenehmer, aber auch blöd für Japaner. Ohne Kontrolle gibt es keinen Stempel in den Reisepass und Japaner lieben ihre Stempel. Dafür hätten sie ein paar Jahre früher kommen müssen.
Wir also im Auto in Österreich mit einem schönen Blick auf die Alpen. Und an was erinnert die Japaner dieser Ausblick? Richtig, The Sound of Music. Die Amerikaner sind also nicht die einzigen, die den Film lieben und Lieder daraus vorsingen können. Gruselig!
Das Schloss selber ist recht klein und liegt abgelegen. Dadurch ist es dann auch nicht total von Touristen überrannt wie Neuschwanstein. Man muss die Besichtigung nicht wie bei Neuschwanstein am besten im Vorraus im Internet buchen sondern kann einfach hingehen und 30 Minuten später rein in die gute Stube. Dafür gibt es keine japanische Führung, aber sie haben für die Führung passende Info-Ordner in zwanzig verschiedenen Sprachen, darunter auch japanisch.
Linderhof von Hinten

Linderhof von Hinten


Da grundsätzlich alle Japaner schlecht zu Fuß sind, haben wir uns nur das Schloss von innen und die Venusgrotte angeschaut und sind dann wieder zurück zum Auto. Innen darf man nicht fotografieren und in der Grotte war es zu dunkel für gute Bilder mit der Kompaktkamera. Daher hingehen und selber anschauen, werde ich in absehbarer Zeit auch noch einmal tun, um mir den Rest des Geländes anzuschauen.

壱 弐 交番

3 4 Grenadier

Vor der ersten Reise nach Japan noch schnell wahllos irgendwelche 50 Kanji zu lernen bring nicht wirklich was. Es schadet aber nicht, wenn man ein paar Kanji kann, das wären meiner Meinung nach, da es nicht immer auf englisch oder durch Piktogramme dargestellt wird, Eingang (入口), Ausgang (出口) und fürs Klo Mann (男) und Frau (女). Um sich auf Karten besser orientieren zu können, sollte man erst mal herausbekommen, wo Norden ist. Das ist auf japanischen Karten nämlich oft genug nicht oben, es ist aber immer eine Windrose mit auf dem Plan. Sonderlich viele Kanji brauch man dann auch nicht, Bahnhof (駅) und Berg (山) zum Beispiel. Das Postamt erkennt man am 〒, Polizei und Koban (kleine Polizeihäuschen) (⊗, ×) die haben auch immer eine rote Lampe über dem Eingang, die Post gibt es auch mit einem Kreis (〶), in beiden Fällen gilt, mit Kreis ist größer und damit auch die Wahrscheinlichkeit jemanden zu finden der Englisch kann. Dann gibt es unter anderem noch Tempel (卍), Schreine (⛩), Burgen (⛫). Oft sind auch Konbinis, 24-Stunden Convenience Stores wie 7-Eleven, Lawson, Family Mart oder Mini Stop eingezeichnet. Damit hat man alles was man zur Orientierung braucht und im 7-Eleven sollte sogar das abheben von Geld mit ausländischen Karten funktionieren.
Japanische Adressen sind für Touristen zu verwirrend. Straßennamen, wenn es sie gibt werden gern mit Kanji geschrieben, die sowieso keiner kennt und Hausnummer spuckt der Zufallszahlengenerator aus. Daher bekommt man neben der Adresse auch oft noch Beschreibungen wie man vom Westausgang des nächstgelegenen Bahnhofs ans Ziel kommt oder welches markante andere Gebäude in unmittelbarer Nähe liegt. Am besten vorher eine Karte bei Google Maps ausdrucken und dazu noch die japanische Adresse. Wenn man in der Touri-Info nach einem Laden fragt der eine bestimmte Sorte Nudeln anbietet die man unbedingt essen möchte, sollte die einem das Restaurant in der Karte markieren und auch immer den Namen des Restaurants in Kanji aufschreiben. Entweder man findet seinen Zielort oder man läuft, gerade Abends wenn niemand mehr zum fragen auf den Straßen unterwegs ist zu einer Koban oder in einen Konbini und hält denen fragend den Namen, die Adresse und die Karte unter die Nase, dazu muss man nicht mal japanisch sprechen, die verstehen was man möchte und man bekommt mit viel Hand und Fuß und schlechtem englisch (selbst wenn ihr japanisch sprecht, reden die auf englisch weiter) eine Wegbeschreibung. Dafür sind die Haribo-Tütchen!
Weitere Kanji die einem im Urlaub helfen sind Zahlen, es kommt oft genug vor, dass Zahlen mit Kanji geschrieben werden, dann weiß man nicht ob etwas 400 oder 800¥ kostet und ob das Kanji jetzt für 1000 oder 10000 steht. Und auch wenn nirgends ein ¥ zu finden ist, kann es immer noch ein Preis sein, wenn nach der Zahl 円 steht, das japanische Zeichen für Yen. Die Zeichen für 1-10 sind 一, 二, 三, 四, 五, 六, 七, 八, 九 und 十. Dann noch 100 (百), 1000 (千) und 10.000 (万) damit kann man alle Zahlen die einem so im Alltag begegnen zusammenbasteln. Von links nach rechts bzw. von oben nach unten lesen. 二万四百九十 sind 2 Zehntausend 4 Hundert 9 Zehn also 20490. Eins, zwei und drei sind super einfach, daher auch leicht zu manipulieren und daher gibt es für Rechnungen und Dokumente das ganze nochmal in kompliziert: 壱, 弐, 参. Für die anderen Zahlen gibt es so etwas auch wird aber nicht mehr benutzt. Die komplizierte 1 und 2 findet man zum Beispiel auf dem 10.000¥ und falls man einen in die Finger bekommen sollte 2000¥-Schein. Auf den anderen Geldstücken und -scheinen steht der Wert auch immer in Kanji, beim 1¥-Stück aber mit der einfachen 1.
Für alle die in der Zwischenzeit die Überschrift übersetzt haben und daran erinnert wurden, dass es Mo-Do 1994 auf Platz 1 der deutschen Charts geschafft haben, hab ich gern gemacht. Hier noch ein Bild einer Koban in Matsumoto

Koban

Koban


Die ist riesig, in größeren Städten sind die auch mal nur 3m² groß.

Lufthansa

Der letzte Besuch aus Japan, meine Mutter, mein Vater und ich sind alle mit der Lufthansa geflogen, der Besuch der am Donnerstag aus Japan eintrifft kommt auch mit der Lufthansa. Grund genug mal was über die deutsche Kranich-Airline zu schreiben.
Warum mit der Lufthansa? Mein Flug war zusammen mit der Austauschgruppe, daher gab es da keine Wahl. Warum nimmt der Rest die Lufthansa? Bestimmt nicht wegen dem Preis, es gibt kaum teurere Möglichkeiten nach Japan zu kommen. Es fliegen aber kaum Airlines aus Europa direkt den Flughafen in Nagoya an. Stuttgart – Frankfurt – Nagoya mit 2 Stunden in Frankfurt oder im schlimmsten Fall Stuttgart – Frankfurt – 6-10 Stunden irgendwo im nirgendwo – Tokyo – Nagoya damit man 300€ spart und einen Reisetag verliert? Kommt auf den Geldbeutel an und auf das Alter der Fluggäste. Zusätzlich darf man neuerdings auf Flügen nach Japan mit Lufthansa auch in der Economy Class 2 X 23kg Gepäck mitnehmen im Gegensatz zu 20-30kg bei den meisten anderen Fluggesellschaften. Wenn man in Japan ordentlich einkauft und nicht 4-6 Wochen darauf warten möchte, bis das Schiff in Deutschland eintrifft, zahlt man bei den Preisen für Luftpost oder Übergepäck am Ende wenn es dumm läuft sogar mehr. Teurer (nicht immer) aber wenn es nach Nagoya gehen soll auch komfortabler.
Als kleines Kind hatte ich die Flugbegleiter der Lufthansa als patzig und unfreundlich in Erinnerung. Da muss ich meiner Meinung aber ändern, die waren dieses mal alle nett und freundlich und auch von den anderen habe ich nichts schlechtes gehört. Habe mich auf beiden Flügen auch jeweils länger mit denen unterhalten wenn sie mal zwischendurch weniger zu tun hatten. Eine Cola zu holen, sich dabei mit einer netten Flugbegleiterin unterhalten und erst nach 10 Minuten ohne Cola, da man die bereits getrunken hat, wieder an seinen Platz zu kommen ist übrigens wenn man mit einer Gruppe Jugendlicher fliegt nicht zu empfehlen.
Zwei Sachen muss ich dann aber doch noch kritisieren. Was ein Onigiri ist weiß ich selber, ich wollte nur wissen womit es gefüllt ist, dass wusste das deutsche Personal nicht. Mein Sitznachbar hat eins getestet, es war mit Lachs gefüllt und die mag ich ja so richtig gerne. Oder auch nicht. Ich hab mich dann mit Toblerone voll gefressen.  Und wenn man weiß, wie gut ältere japanische Reisegruppen englisch sprechen, halte ich es für grob fahrlässig Flugbegleiter ganz ohne Japanisch Kenntnisse einzusetzen. Die sollen ja kein perfektes japanisch sprechen, aber wenn ein Ringo Juice bestellt wird, sollte man nicht immer verzweifelter nach der japanischen Kollegin Ausschau halten oder das Glück habe, dass ich es mitbekomme und als Dolmetscher einspringe sondern dem Mann seinen Apfelsaft einschenken. Dafür hat sich die Flugbegleiterin danach riesig über das neu gelernte Wort gefreut und im Laufe des Flugs mit ihrer japanischen Kollegin fleißig ein paar Brocken japanisch gelernt. Genau diesen Crashkurs beim nächsten mal vielleicht vor dem Flug.
Zurück zu den japanischen Rentnern. Wer auch immer sich gedacht hat, es wäre am besten wenn das Entertainment-System sich über einen träge reagierenden Touchscreen statt einer Fernbedienung mit Knöpfen bedienen lässt, kann mich mal gepflegt am Arsch lecken. Die eine Hälfte im Flieger kam damit nicht zurecht und die andere bekam unfreiwillig eine Kopf- und Nackenmassage.
Jetzt mal wieder was positives, das Upgrade auf dem Hinflug in die Business Class fand mein Vater mehr als großartig. Das kann die Lufthanse ruhig wieder machen. Eine Premium Economy mit mehr Beinfreiheit und Komfort könnte man aber auch mal einführen, da meine Eltern bereit wären mehr für den 12 Stunden Flug zu bezahlen als den Lufthansa Economy Preis, aber nicht den Preis für die Business Class. Die JAL hat Premium Economy, 2 X 23kg, fliegt aber nicht direkt nach Nagoya.
Anschlussflüge. Wenn im Flieger klar ist, dass man verspätet landet, dann wird man gut informiert, von wo genau der Anschlussflug geht und ob man ihn noch erreichen kann oder ob es eine spätere Maschine zum Zielort gibt auf die man dann sofern Plätze frei sind umgebucht wird. Fällt der Anschlussflug aus, nachdem man bereits in Frankfurt ist, dann klappt das ganze nicht mehr so ganz. Wir wurden jedenfalls von unserem Besuch aus Frankfurt angerufen, sie müssten jetzt mit einer späteren Maschine fliegen, sie wissen nicht warum und was mit ihrem Gepäck passiert wussten sie auch nicht. Die Lufthansa hat in Frankfurt japanisch sprechende Mitarbeiter, da kann es doch nicht so schwer sein, den Japanern auf japanisch zu erklären was passiert. Das Telefongespräch wurde dann plötzlich unterbrochen und wir sind auf verdacht passend zum späteren Flug auf den Stuttgarter Flughafen gefahren. Der Besuch war dann auch in der Maschine, ihr Gepäck nicht. Zum Glück kam der Flieger nicht so spät. Denn wenn man mit einer der letzten Lufthansa-Maschinen gelandet wäre, hätte der Gepäckschalter bereits geschlossen. Das beim letzten Flieger des Tages etwas mit dem Gepäck schief geht, scheint wohl ein völlig unrealistisches Szenario. Die Dame am Schalter konnte uns dann auch nicht sagen, wo das Gepäck sich aktuell befindet. Es sei vermutlich in Frankfurt, sei aber spätestens mit dem ersten Flieger am nächsten Tag in Stuttgart und würde dann per Kurier nachgeliefert werden.
Wegen der grandiosen Informationspolitik in Frankfurt wollte ich mich dann bei der Lufthansa beschweren. Beim Ausfüllen des Formulars kam dann noch ein Kritikpunkt dazu. Muss man in einer endlosen Liste das passende Land und aus einer weiteren langen Liste den passenden Flughafen auswählen. Nachdem man zuvor bereits den Namen des Passagiers und das Datum angeben musste und optional noch die Flugnummer angeben konnte. Datum plus Flugnummer sollte doch auch schon eindeutig sein und erspart einem sich viermal durch eine Liste suchen zu dürfen. Ja, manchmal bin ich so ein typisch deutscher Motzkopf, aber der Programmierer des Beschwerdeformulars hat es offensichtlich noch nie selber ausfüllen müssen. Bis auf die Beschwerde geantwortet wird, vergehen einige Tage, dafür wird dann aber ernsthaft auf die Kritik eingegangen und man bekommt nicht einfach ein Standard Es-tut-uns-furchtbar-Leid-Schreiben.
Wenn man mit der Lufthansa fliegt, dann hat man was zu erzählen.